Häufig beginnen große Dinge im Leben ganz klein. Mit einer Idee, einem Wunsch, einer Begegnung…

Unsere Weltreise begann in Jonatans Kopf.

Bereits Mitte 2014 hatte sich in Jonatan der Wunsch entwickelt, eine größere Reise zu unternehmen und in die Welt hinaus zu gehen. Da er als Kind mit seiner Familie nicht sehr viel gereist und mit Anfang Zwanzig bzw. während des Studiums das Interesse noch nicht ausreichend groß war, dachte er sich kurz vor seinen Dreißigern: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“.
Ich befand mit zu diesem Zeitpunkt gefühlt an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben. Etwa ein dreiviertel Jahr bevor wir einander begegneten befand ich mich in einer Art Umbruch: ich hatte eine Trennung hinter mir, kündigte meinen Job und nahm mir eine Auszeit, um meinen Kopf klarer zu bekommen und mir zu überlegen, wie es weiter gehen sollte. Kurz nachdem ich Anfang 2015 entschied, einen neuen Job anzunehmen, um einen neuen Anfang zu wagen, lernte ich Jonatan kennen und lieben. Bereits zu Beginn unseres Kennenlernens erzählte er mir von seinem Wunsch, für einen längeren Zeitraum reisen zu wollen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir zu diesem Zeitpunkte eine Auszeit für ein Jahr nicht hätte vorstellen können. Das Reisen selbst reizt mich zwar schon, seitdem ich denken kann, aber nochmal einen so großen Cut? Nochmal alles kündigen, alles zurück lassen und wieder von vorne anfangen? Des Weiteren kam hinzu, dass ich bereits meine Auslandserfahrung 2011 während eines Auslandsemesters in Brasilien sammeln konnte und – auch wenn es vielleicht doof klingt – ich einen Haken dahinter machen konnte.

Insgesamt sprachen wir immer viel über das Reisen und planten gemeinsame Urlaube und Ausflüge, gingen auf Festivals und besuchten Freunde in anderen Städten. Ein entscheidender Meilenstein zum Entschluss unserer Wetreise war dabei sicherlich auch unsere Südostasienreise Ende 2015. Drei Wochen klebten wir auf engstem Raum aufeinander, lernten viel übereinander und darüber, wie der eigene Partner gerne reist und sich unterwegs verhält. Wir teilten viele tolle Erlebnisse in Vietnam, Kambodia und Thailand und kamen mit dem Gefühl nach Hause, wieder reisen zu wollen. Wir hatten Blut geleckt… Wir wollten mehr und wir wollten länger.
Etwa zeitgleich stand mein Aus- und unser Zusammenzug an. Leider musste ich meine große Wohnung, in die wir ursprünglich eigentlich zusammenziehen wollten, wegen Eigenbedarf des Vermieters  räumen und so zog ich kurzerhand mit Sack und Pack in Jonatans 35qm-Appartment.
In meinem Job war ich zu diesem Zeitpunkt leider noch immer nicht glücklich und ich spürte, dass eine erneute berufliche Veränderung unumgänglich wurde. So wechselte ich zur Jahreswende innerhalb meines Trägers und freute mich auf neue Erfahrungen in einem anderen Bereich – die Idee einer Weltreise jedoch weiterhin im Nacken.
Jonatan jobbte währenddessen in seinem befristeten Studentenjob und auch er musste sich Gedanken darüber machen, wie es ab Anfang Mai für ihn beruflich weiter gehen sollte.

Ihr könnt euch vorstellen, dass mitunter diese vielen kleineren und größeren Faktoren unsere Entscheidung für die Reise begünstigten. Uns wurde klar, dass wir aufbrechen und die Welt erkunden, wir sowohl als Individuen als auch als Paar an diesen Erlebnissen wachsen wollten. Im April machten wir entsprechend endlich Nägel mit Köpfen, indem wir unseren ersten Flug nach Neuseeland buchten. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie sehr mein Herz Purzelbäume schlug und wie unfassbar aufgeregt ich war, als wir alles datierten und buchten.
Jetzt war es entschieden, jetzt sollte es kein Zurück mehr geben und jetzt gab es ein Ziel!

Reisevorbereitungen – vor der Reise ist nach der Reise –

All die weiteren Entscheidungen, die sicherlich nicht weniger bedeutsam waren, gingen uns mal leichter, mal schwerer von der Hand. Nach ein paar Telefonaten war klar, dass wir unser Appartment (leider?) nicht zwischenvermieten konnten und so schickte Jonatan kurzerhand die Kündigung zum 30.09.2016. Ich war überrascht darüber, wie selbstverständlich er dies tat, obwohl er dort sechs Jahre sehr gerne gewohnt hatte und über den Verlust merklich traurig war.
Meiner Chefin von unseren Reiseplänen zu erzählen, gehörte zu meinen weniger leichten Angelegenheiten. Da sie selbst sehr gerne reist, konnte ich zwar auf ihr Verständnis hoffen, doch so richtig leicht fiel es mir nicht. Ich fühlte mich wohl, mochte meine Kollegen und die Kinder/Jugendlichen die ich betreute. Ich hätte mir gut vorstellen können, dort länger zu arbeiten. Wir einigten uns schließlich auf unbezahlten Urlaub bis Vertragsende (ich hatte nur einen Jahresvertrag) und darauf, dass ich nach der Reise ein Fuß in der Tür haben würde – danke dafür! 🙂
Als Jonatans Studentenjob Ende April auslief, verdiente er sich anschließend den Großteil seines Reisegeldes durch etliche Gelegenheitjobs, Merchandising und die Teilnahme an diversen Studien. Da er an so vielen verschiedenen Orten arbeitete, sahen wir uns manchmal bis zu zwei Wochen nicht.

Neben der Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen und zu sparen, schienen unsere To-Do-Listen schier unendlich. Jeder hatte neben den gemeinschaftlichen Aufgaben natürlich auch eigene und so arbeiteten wir gut Hand in Hand.
Wir kündigten alle unnötigen Verträge, kümmerten uns um notwendige Dokumente wie zum Beispiel den Internationalen Führerschein, Studiausweis, schrieben Vollmachten für unsere Eltern, meldeten uns um, installierten einen Nachsendeauftrag, ließen uns bei den Ärzten durchchecken und die Impfungen auffrischen, schlossen eine Reise-Krankenversicherung bei der Allianz ab, gründeten ein gemeinsames Reisekonto bei der DKB, meldeten das Auto ab, machten kleinere Renovierungsarbeiten in unserem Appartment, kümmerten uns um einen Nachmieter, verkauften persönliche Dinge auf Ebay, Flohmärkten und Co, lösten immer weiter unseren Hausstand auf, kümmerten uns um Reiseutensilien, machten Packlisten, stemmten einen Umzug verteilt auf 2 Städte und so weiter. Je weniger Spiegelstriche auf unseren To-Do-Listen noch lesbar waren, umso befreiter und entlasteter fühlten wir uns.
Nichtsdestotrotz muss ich gestehen, es war viel Arbeit. Wirklich sehr viel, zumal wir beide bis zuletzt arbeiteten und alles irgendwie nebenher erledigten. Während dieser Zeit war ich auch oft angespannt und stand unter Strom und war gleichzeitig antriebslos. Es war so viel zu erledigen und wir wollten alles möglichst aus eigener Kraft schaffen und machen. In manchen Momenten saß ich zuhause alleine auf der Couch (Jonatan war ja viel außerhalb arbeiten) und dachte mir: Wofür der ganze Stress und wieso genau löse ich mich nochmal von all den vielen schönen Dingen hier in Köln/Deutschland sowie meinen Sicherheiten und Gewohnheiten?
Glücklicherweise hielten diese Momente nie lange an. Unser Umfeld bekräftigte und unterstützte uns in der Regel sehr und gab uns immer wieder Kraft und Motivation alles durchzuziehen und an unserem Ziel einer Weltreise zu arbeiten. Ein dickes Dankeschön an euch alle!! Uns so verbrachten wir auch nach dem Auszug unseres Appartments jeweils die letzten Tage bei unseren liebsten Freunden und Familien und starteten nach einem letzten gemeinsamen Familien-Abschieds-Essen am 04.10.2016 in unser Abenteuer Weltreise.

P.S. Und wisst ihr was an dem ganzen Vorbereitungsstress ironisch ist? Wenn wir wieder nach Deutschland kommen, spulen wir den Film einfach rückwärts ab – denn vor der Reise ist nach der Reise 😉

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2 Comments

  1. Hallo ihr zwei! Ein toller Bericht und eine Spannende Geschichte! Und Gratulation nochmal nachträglich, die Entscheidung scheint sich ja ehr als positiv bestätigt zu haben, wenn ich so an eure tollen Instagram-Bilder denke! 🙂
    Ich (als auch baldige Weltreisende mit Freund, wuhuu!) finde euren Blog soo cool und verfolge eure Bilder schon lange. Deswegen habe ich euch auch für den Liebster-Award nominiert! 🙂 Ihr könnt das hier lesen: https://www.spirit-of-traveling.de/liebster-award/
    Danke für eure tolle Arbeit & hoffentlich nehmt ihr sie an:)
    Ganz liebe Grüße, eure Hannah

  2. Ich habe diesen Beitrag förmlich verschlungen 🙂
    Mein Freund und ich sind genau in der gleichen Situation wie ihr vor einem Jahr. Wir lösen gerade unseren Hausstand auf und verkaufen nächste Woche unsere Autos. Die Reise geht am 01.10. Los und bei uns ist alles identisch zu eurem Erlebnis! 😀

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