Unsere ersten Tage in Laos gestalteten sich insgesamt recht entspannt. Nach über vier Monaten auf Weltreise sind Jonatan und ich zur Erkenntnis gekommen, dass wir unser Reisepensum, bzw. unsere Reisegeschwindigkeit etwas verändern und entschleunigen müssen, sonst brauchen wir nach der Weltreise erstmal Urlaub. 😉

Besonders während unserer Reise durch Myanmar kam dieses Gefühl sehr stark auf. Wir spürten, wie uns die vielen verschiedenen Eindrücke der letzten Wochen und Monate langsam ermüdeten. Unsere Köpfe und Herzen waren voll von hunderten wunderschönen und eindrucksvollen Erlebnissen, Begegnungen, Gedanken und Gefühlen, die innerhalb kurzer Zeit auf uns einprasselten. Hinzu kam, dass wir uns Reiseziele ausgesucht hatten, die recht weit voneinander entfernt lagen und uns sehr lange Reisestrecken in Bussen, Zügen und Booten abverlangten, woraus folgte, dass wir oft nur wenige Tage an einem Ort blieben. Wir sehnten wir uns nach Ruhe und einem Gefühl des „Ankommens“. So entschieden wir nach ein paar entspannten Tagen am Strand , in denen wir die vergangenen Wochen gemeinsam reflektierten, insgesamt langsamer zu reisen und uns länger an einem Ort aufzuhalten, auch wenn dies zur Folge hat, dass man weniger Spots sieht. Dafür erhoffen wir uns ein intensiveres und genussvolleres Reisen und Kennenlernen von Land und Leute.
 
Vientiane, unser erstes Ziel in Laos

Bereits vor unserer Ankunft in Laos hörten wir von verschiedenen Seiten, dass sich die meisten Reisenden in Vientiane, der Hauptstadt Laos’, kaum mehr als einen oder zwei Tage aufhalten. Wir entschieden daher unsere Unterkunft für zwei Nächte zu buchen und ein paar erste Erledigungen, wie z.B. der Kauf einer Sim-Karte, direkt in Vientiane zu machen und uns der weiteren Fertigstellung unseres Blogs zu widmen. Im Gegensatz zu den anderen Südostasiatischen Hauptstädten, die wir bereits kennen gelernt hatten, ging es in Vientiane wesentlich gemächlicher zu. Wir unternahmen viel zu Fuß und besuchten einige süße kleine Cafés und Restaurants, den täglichen Nightmarket mit Bekleidung und Essensständen sowie das Ufer des Mekongs.
Dieser über 4500km lange Fluss schlängelt sich durch insgesamt sechs Länder und ist einer der zwölf längsten Flüsse der Welt. In Laos bildet er an manchen Stellen auf natürliche Weise zu Grenze zu Myanmar und Thailand, so auch in Viantiane. Am späten Nachmittag herrschte am „Strand“ des Mekongs eine wunderschöne Atmosphäre und so schwelgten beim Anblick des gegenüberliegenden Thailands in Erinnerungen und suchten nach Ähnlichkeiten zur unserer doch eigentlich auch sehr schönen Heimatstadt Köln und seinem Rhein. Auf dem Heimweg „verloren“ wir uns im saftgrünen höhen Ufergras, welches uns wie ein Labyrinth immer wieder einschloss oder aber den Weg im Schein der untergehenden Abendsonne freigab. 

Jonatan und ich lieben es, uns durch unbekannte kulinarische Köstlichkeiten zu probieren. Dementsprechend futterten wir uns die ersten Tage durch Summerroles, Glasnudeln, deftigen Suppen und „Würsten“, scharfen Tintenfisch vom Grill und tranken sogar ein Glas französischen Rotwein, welcher wirklich gut schmeckte – vielleicht aber auch nur, weil es unser erster Wein seit Neuseeland vor über zwei Monaten war. Der Einfluss der damaligen französischen Kolonialzeit ist übrigens deutlich sichtbar und spiegelt sich nicht nur in Croissants und Baguettes wieder, sondern auch in vielen wunderschönen Gebäuden aus Holz mit kleinen Balkonen und bunten Farben. In kleinen hübschen Cafés konnten wir in Ruhe am Blog arbeiten und guten Kaffee genießen. Nach Myanmar, einem Land mit Teekultur, in welchem in erster Linie Instantkaffee serviert wird, war dies eine wahre Wonne für unsere Gaumen. Ein weiteres kulinarisches Highlight war unsere spontane kleine Rumverköstigung. Da Jonatan ein absoluter Fan von braunen Rum ist, blieb es natürlich nicht nur beim Probieren und so wanderten zwei kleine Fläschchen in unsere Taschen.

Der gemächlich-gemütliche Eindruck von „Lao-Time“ in Vientiane hat sich also vollkommen bestätigt, was sehr zu unserem neuen Mut zur Langsamkeit passt. Wir sind gespannt, ob sich dieser Eindruck in Vang Vieng fortsetzen wird.
 
Welche Spuren hinterlasst ihr auf euren Reisen?

 

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4 Comments

  1. Ihr Lieben,

    so ein schöner Artikel! Ich glaube, dass es allen Langzeitreisenden ähnlich geht; irgendwann ist man einfach übersättigt von all den Eindrücken und wird ein wenig Reisemüde. So richtig eingestehen will man sich das vielleicht nicht sofort, schließlich lebt man doch in sagenhaftem Luxus und darf tagtäglich die Wunder dieser Welt bestaunen! Gut, dass ihr da auf euch hört und eure Reise so gestaltet, wie es euch guttut. Im Grunde ist ja sowieso jeder Tag ein Abenteuer, unabhängig davon, wie viele Sehenswürdigkeiten man abarbeitet. Hinterher erinnert man sich ohnehin eher an die kleinen Dinge. Und die Menschen. In diesem Sinne liebe Grüße von uns! 😉

    • Hallo Josi,

      Ich stelle mir das vor wie mit einer Flasche, die einfach irgendwann voll ist. Egal, was man für schöne Erlebnisse noch alle genießen kann, irgendwann sind alle Sinne einfach übersättigt. Ich muss auch nicht unbedingt viel am Tage sehen, um sagen zu können, dass der Tag voller Schönheit war. Am Ende zählen nicht diese vielen schönen Dinge, die man auf seiner Reise „sammelt“, sondern dass man am Ende mehr zu sich findet und sich nicht immer dazu gezwungen fühlt, die Zeit zu füllen. Für mich eine große Absurdität. Wer hat eigentlich gesagt, dass man die Zeit füllen muss? 😀 Danke für eure schöne Antwort! 🙂 PS Jaaa, die Menschen sind das, woran man sich mehr erinnert…

  2. Ich bin begeistert, mit wieviel Liebe Ihr Euren Blog auf den Weg gebracht habt. Nochmal nachzulesen, wie alles begann, hat mich sehr berührt und wenn ihr erzählt, bin ich gedanklich bei Euch. Papa und ich können es kaum abwarten, Euch bald wieder in die Arme zu nehmen. Bis dahin verfolgen wir Euch „virtuell“ und freuen uns auf die spannenden Berichte und Erlebnisse, die Ihr für uns alle aufschreibt. Lasst es Euch gut gehen, genießt jeden Augenblick und das Glück, die Welt kennenzulernen

    • Jessica Reply

      Hallo Mama,
      danke für deinen lieben Kommentar, Johnny und ich freuen uns auch schon sehr euch bald in Japan zu treffen.
      Als ich den Bericht geschrieben habe, kamen auch bei mir viele Erinnerungen und auch Gefühle hoch. Ich glaube das Schwerste an der ganzen Sache ist eigentlich nur, die Lieben zuhause zurück zu lassen und sich mit dem virtuellen Kontakt für eine ganze Weile zufrieden zu geben… umso glücklicher bin ich, dass ihr euch wirklich in den Flieger setzt und wir uns zur „Halbzeit“ sehen… ich glaube das macht es doch ein kleines bisschen leichter :-*

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