Nach zwei Nächten endete bereits unser Aufenthalt in dem müßiggängigen, aber doch süßen Vientiane. Für 45000 Kip (ca 5,20€) haben wir uns den Minivan für den darauffolgenden Morgen nach Vang Vieng gebucht. Reisetabletten waren für den Weg nicht notwendig. Die Strecke war zwar kurvig, aber entspannt.

Vielleicht habt ihr von Freunden von Vang Vieng gehört: Extremer Partytourismus. Menschen schnappen sich beim sogenannten Tubing einen Gummireifen und lassen sich auf dem Nam Xong River unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss von einer Bar zur nächsten treiben, um sich weiter zu verstrahlen. Tatsächlich blieb dies häufig nicht ohne Folgen, denn jedes Jahr gab es etwa 26 tote Touristen. Berühmt-berüchtigt galt Vang Vieng als einer der gefährlichsten Partytourismusorte der Welt. Jedoch hat 2011 die Regierung einen Riegel vorgeschoben. Es existieren inzwischen viel weniger Riverbars, der Drogenverkauf wird längst nicht mehr so einfach geduldet, die meisten Partylocations wurden dicht gemacht. Auf dem Nam Xong dürfen täglich nicht mehr als 200 Menschen auf einmal tuben. Doch was bleibt am Ende übrig von diesem Ort?
Etwas beruhigt haben mich die vorherigen Berichte doch, in dem heutigen Vang Vieng soll es weitaus ruhiger zugehen. Zwar feiere ich als selbsterklärter Hedonist gerne auch mal die Nächte durch, aber für mich ist das harte Feiern an Partytourismusorten mit exotischer Kulisse und einem Haufen westlicher „Young Skinny Dudes“ einfach nichts mehr. Das Aushöhlen der eigenen laotischen Kultur im Austausch für eine Sumpfgruppe an westlicher Dekadenz empfinde ich generell als fragwürdig. Parties sind großartig, aber dreht sich alles nur noch ums reine harte Saufen, bin ich draußen. 

Vang Vieng hat sich verändert

Aber all dies war glücklicherweise in dieser Ausprägung auch einfach nicht mehr vorhanden. Trotzdem empfanden wir den Ort als sehr touristisch. Was Parties angeht, bietet immer noch die Sakura Bar das entsprechend harte Programm, über diese können aber andere mehr sagen. Als wir Pizza essen gegangen sind, wurde uns tatsächlich auch heute noch ein zweites Menü mit Pilz- und Grasshakes sowie verschiedenen Gerichten und Rauchwaren mit Opium (!) angeboten. Immernoch gibt es auch einige Läden, in welchen man seinen Kater mit ein, zwei, drei Staffeln Friends im Fernsehen auf weichen Kissen zu dicken Burgern und hochkalorischen Milchshakes ausnüchtern kann. Doch all dies war nicht omnipräsent. Im Gegensatz zu anderen Ecken von Laos ist diese Stadt immer noch sehr lautstark, trotzdem wirkt alles aber eine Spur erwachsener verglichen zu früheren Berichten. Einheimische sollen dies wohl auch deutlich begrüßen. Das Hauptmerkmal liegt nicht mehr auf Tubing, sondern auf Tagestouren, die man an jeder Straßenecke buchen kann.

Tagestouren sind das neue Saufen

Denn Vang Vieng ist eingebettet in wundervolle Landschaften und Berge. Nachdem wir einige Tage den Larry machten, wollten wir aktiv werden. Als wir in der Smile Beach Bar direkt am Flussufer saßen (wo es phänomenale Chickenburger gibt), sahen wir einem Heißluftballon bei einem spektakulären Manöver direkt vor uns zu. Wir überlegten uns, ebenfalls eine Ballontour für überaus günstige 90 US-Dollar zu machen. Doch nachdem wir gehört haben, dass die eigentlich 40-minütige Tour häufig bereits nach 20 Minuten ihr Ende findet und einige Flüge ihr in einer Bruchlandung in Baumkronen resultierten, entschieden wir uns dagegen. Dafür machten wir einen Tagesausflug in die umliegende Gegend.
Dieser beinhaltete Tubing in Höhlen (also nicht saufend auf dem Fluss!), Ziplining, eine Cave, Kayaking und die sogenannte Blue Lagoon. Wir starteten also zusammen mit unserer Gruppe, die aus uns, Amerikanern, Koreanern und Einheimischen bestand, und begaben uns zu dem Geländer, in welcher sich die Flusshöhle sowie die Ziplines befanden. In der Höhle zogen wir uns auf den Reifen durch das eiskalte Wasser. Besorgt waren wir um unsere Elektronik, die sich in einem nur 3€-teuren Drybag befand, den ich einen Tag zuvor gekauft habe. Am Ende haben wir alle zusammen unglaublich viel miteinander gelacht. Viele rutschten einfach aus ihren Reifen weg und standen im schultertiefen eiskalten Wasser. Nebenher war die Höhle aber auch total schön.

Ab durch die Luft und durch den Nam Xong zurück

Während die anderen Mittag aßen, haben Jessi und ich das Ziplining absolviert. Lange mussten wir auf unsere Ausrüstung warten, denn die Koordinatoren waren mehr als verplant. So gingen wir zusammen mit einer kleinen chinesischen Gruppe, die sich überraschenderweise als sehr angenehm erwies, hoch auf die Plateus. Uns überraschte, dass selbst viele 60-Jährige des chinesischen Volkes wirklich alles mitmachen und sich lange Strecken auf dünnen Drahtseilen durch die Luft tragen lassen. Es war entgegen des Bildes, was South Park uns vermittelt, eine sehr spaßige Angelegenheit, jedoch hat es mir nicht den ultimativen Kick gegeben. Von daher bleibt es wohl für mich bei dem einen Mal.
Nach einem kurzen Mittagessen (die unsaubere Koordination beim Ziplinen überzog den Zeitplan unseres Tourguides) eilten wir schnell zur Elephant Cave, die sich allerdings als ziemlich unspektakulär erwies, so dass wir nach fünf Minuten weiter zum Truck gingen, der uns an eine Anlegestelle zum Fluss schickte. Von dort aus fuhren wir mit unseren Kayaks eine entspannte Strecke nach Vang Vieng zurück. Gelegentlich spritzen wir uns mit den Paddeln gegenseitig mit Wasser zu, ansonsten ruderten wir uns gemächlich durch das bezaubernde Tal.
Die einen fuhren daraufhin nach Hause, die anderen (zu denen wir gehörten) begaben uns noch zu der sogenannten Blue Lagoon. Ein enttäuschender kleiner touristischer Tümpel, in welchem man von Bäumen ins Wasser springen kann. Überfüllt von Menschen entschieden wir uns, uns eine ruhigere Grünfläche zu suchen und die Zeit mit Chillen zu verbringen, bis der Schlepper uns abholte.
Insgesamt ein total schöner, runder Tag. Viel mehr Action wollten wir gar nicht in Vang Vieng.

Um Vang Vieng herum erstreckt sich eine bezaubernde Berglandschaft

Trotzdem entschied ich mich am letzten Tag, nochmal auf eigene Faust in einer Bergenge wandern zu gehen. Der Weg, den ich am Nachmittag beschritt, war relativ einfach. Eine Steigung erwies sich als etwas komplizierter, da eine riesige Anhäufung von Felsen mich zum Klettern zwang. Zudem musste ich ein wenig die Zeit im Auge behalten, bevor es richtig dunkel wurde. Die Einfachheit des Weges änderte nicht, dass die Strecke wunderschön war. Je tiefer ich in die Enge kam, desto näher kamen mir die prachtvollen Berge, welche in der goldenen Abendsonne ihre schönste Seite präsentierten. Eine Stunde vor Sonnenuntergang musste ich mich aber dann zurückbegegeben.
Auf dem Rückweg machte ich noch Bekanntschaft mit einem Einheimischen aus einem nahegelegenen Dorf, der noch nie aus der Gegend herauskam. Er war 17, wird im Januar 2018 mit der Schule fertig sein und möchte danach zur Armee gehen. Er behauptete immer: „I have no future.“ Ob er damit meinte, dass er noch nicht weiss, was er machen soll oder ob er in seiner sozialen Lage bereits resignierte, konnte ich nicht klar heraushören. Da er aber ein sehr heiteres Gemüt hatte, gehe ich von ersterem aus. Mehr hat sein gebrochenes Englisch leider nicht hergegeben. Wir plauderten noch für weitere 15 Minuten, dann begab er sich in den Eingang seines Dorfes und auch ich kam eine halbe Stunde später rechtzeitig heim.

Fazit:

Was kann man am Ende unserer Tage in Vang Vieng wohl sagen? Die Stadt hat es geschafft, sich von ihrer alten Partyvergangenheit zu lösen und eine gelassenere Form von Tourismus zu etabilieren. Es lohnt sich, ein paar Tage in der Stadt zu verweilen. Viele Menschen beurteilen Vang Vieng als die wohl schönste Ecke von Laos. Hat man jedoch mehr Zeit in Laos zum Erkunden, sollte man definitiv nach Nong Khiaw und das anliegende Muang Ngoy höher im Norden, in das wir uns deutlich mehr verliebt haben. Die Menschen in Vang Vieng waren trotzdem wie überall in Laos sehr (gast-)freundlich. Der Ort ist zum Entspannen absolut großartig und auch die Tour hat uns viel Spaß gemacht. Schließlich blieben wir ja doch letztenendes fünf Nächte Vang Vieng. Einfach ein paar Tage abschalten, Fotos sortieren und in der Morgenluft joggen gehen. Das war nach dem hohen Tempo in Myanmar einfach bitter notwendig.
 
Danach ging es für uns in das ehrwürdige Luang Prabang: Reisetabletten für die kurvige Fahrt sind für einige Menschen definitiv notwendig.
 
Würde euch Vang Vieng reizen? Wir freuen uns über Comments und Likes!

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