Lange lange habt ihr nichts mehr von uns gelesen – außer vielleicht die Titel unserer Instagram-Bilder, denn diese gehen mir irgendwie immer leicht von der Hand. 

Für unsere kleine Blog-Diät gab es verschiedene Gründe.Wir hatten wenig Zeit bzw. andere Prioritäten, waren etwas lustlos und unkreativ und dann gab es auch noch den  Besuch unserer Familien… jetzt geht es jedoch weiter und wir teilen unsere Erlebnisse und Gedanken mit euch 🙂
Etwas anders als in den vorherigen Berichten, ziehe ich heute „blank“ und möchte euch daran teilhaben lassen, wie (m)ein typischer Krisentag auf unserer Weltreise aussehen kann….

(M)ein Krisentag auf Reisen – ein Bericht aus meinem Kopf…

Was soll ich sagen. Ich hatte ein Scheißtag. Ich habe geheult, ich hatte Selbstzweifel, ich habe mich unnütz gefühlt und mich mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert gesehen. Und warum? Das ist ja das miese, ich kann es nicht einmal richtig benennen oder gar erklären. Einfach so. 

Reisen ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Es ist nicht immer Sightseeing, Sonne, Strand, neue Leute kennen lernen. Nein, es sind 1000 Gedanken und Eindrücke, welche verarbeitet werden müssen und permanent und ganz „nebenher“ ist es auch die Auseinandersetzung mit sich selbst. An manchen Tagen bin ich so (reise)müde und dann gibt es einfach Momente, an denen ist nichts rosig. Ihr könnt euch vorstellen, genau an diesem Punkt und solchen „Krisentagen“ ist viel Raum für Selbstzweifel. Und diese sind nicht immer leicht. Nein, manchmal sind sie sogar ziemlich kacke und wenig spaßig. Da mag ich mich selbst nicht. Obendrein entstehen leider gelegentlich – wer hätte das gedacht – auch noch die Zweifel, wie mich dann auch noch andere Menschen mögen können. Jonatan bekommt sowas natürlich mit und leider auch hin und wieder ab. Er ist mein permanenter Spiegel und kennt mich nach über  zwei Jahren Beziehung sehr gut. Es ist schwer genug einen Menschen um sich herum zu haben, der miese Laune hat und umso belastender dann auch noch, wenn der Partner in dieser „Weltuntergangsstimmung“ steckt und einfach nicht heraus kommt. So wie eben an solchen Tagen. Sorry dafür, mein Liebster! 

Selbstzweifel – Ich konnte mich mal besser leiden…



Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich lange Zeit ziemlich in Ordnung gefühlt habe. Ich fühlte mich ausgeglichen, in der Balance, bodenständig und fand mich in der Regel ok so wie ich bin, klar mit meinen Fehlerchen und Makeln – wer hat die auch nicht!? Das hat sich nur irgendwie verändert. Das Leben und meine bisherigen Erfahrungen haben mich zwar erwachsener und stärker, in mancher Hinsicht aber auch unsicherer gemacht. Besonders auf unserer Reise spüre ich diese Veränderung. Vielleicht, weil ich mich nicht mehr hinter Routinen und Ablenkungen (z.B. der Arbeit und dem Alltag, etc.) verstecken kann. Möglicherweise habe ich mich diesbezüglich auch nur selbst veräppelt, mich zu wenig mit mir selbst beschäftigt und mir entsprechend etwas vorgegaukelt. Oder aber es hat noch ganz andere Gründe, ich bin der Sache noch auf der Spur…

Bin ich wirklich  (un)schuldig?

Was ich jedoch deutlich spüre: Immer wieder plagt mich das schlechte Gewissen und ich fühle mich schuldig. Wieso fragst du dich? Ich mich auch.

Ich fühle mich schuldig, weil ich so viel Plastikmüll verursache, mich nicht ausreichend gesund ernähre, immer noch kein Yoga mache, obwohl ich die 1kg Matte mit mir herum schleppe, Unmengen an Geld ausgebe, während Menschen neben mir in Armut leben, ich Ungerechtigkeiten sehe, welche ich nicht verändern kann, immer noch zu oft nörgel, keinen sinnvollen Beitrag auf meiner Reise leiste, zu wenig Veränderungen und Entwicklung an mir sehen kann und und und…
Besonders in den sogenannten Zweite- und Dritte-Welt-Ländern ist dieses Gefühl für mich besonders stark und neben den vielen wunderbaren Erlebnissen immer wieder auch sehr belastend. Wieso, weshalb, warum? Immer wieder stellte ich mir diese Fragen, auf die ich keine Antworten finde. Wie kann ich helfen, ohne zu schaden. Muss ich Verantwortung übernehmen und in welcher Form. Welchen Beitrag kann ich für eine bessere Welt leisten? 

Wieso brennt es nicht?

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt meiner Gedanken.
Teilweise Dinge, die man verändern kann, meinst du? Ja, da hast du recht. Aber ich kann irgendwie nicht. Mir fehlt es an Energie und Inspiration. An Feuer, Passion und an Disziplin. Und aus diesem „Teufelskreis“ komme ich einfach nicht heraus.
Da wären wir dann auch schon an dem nächsten Punkt… Wir sind nun schon sieben Monate unterwegs und ich frage mich ständig, was die Reise mit mir macht? Wie hat sie mich verändert oder vielmehr, wie habe ich mich verändert. Finde ich Antworten auf meine Fragen und welche verdammten Fragen stelle ich mir eigentlich? Was will ich und wie kann ich es erreichen? Wie komme ich endlich gegen mich selbst an und wieso will ich das eigentlich? Was ist geschehen mit meiner Disziplin, Energie, meiner Leidenschaft und den Visionen? Wann und wo genau sind mir diese Attribute abhanden gekommen und wie kann ich sie mir wieder aneignen? „Ich krieg‘ die Krise!“
Ziel meiner Reise ist doch nicht nur der schlichte „Konsum“ und das Vergnügen unterwegs zu sein. Ich möchte mich selbst besser kennen lernen, mehr zu mir selbst finden, Antworten auf meine Fragen und einen Platz in dieser großen, so unfassbar schönen, verrückten und manchmal auch beängstigenden Welt finden. Warum hindere ich mich daran??



einfach Danke

Neben all den schwierigen Gefühlen und Gedanken bin ich gleichzeitig auch sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich auf unserer Reise mache. Ich bin dankbar überhaupt die Möglichkeit zu haben und dankbar dafür, einen Partner neben mir zu haben, der mir die Hand reicht, mit dem ich diesen Weg gemeinsam gehe. Ich bin froh über all die Scheuklappen, die von meinen Augen gerissen werden, auch wenn es schmerzhaft ist und versuche Vertrauen in das Leben zu haben!
Gleich werde ich schlafen, morgen ist ein neuer Tag – viele Fragen werden unbeantwortet bleiben und vielleicht sieht die Welt morgen ein wenig rosiger aus… 



Ihr Lieben, ich würde mich so freuen, wenn ihr da draußen – wo immer ihr auch gerade steckt – ein paar eurer Gedanken mit mir teilt, gerne auch via privater Nachricht. Kennt ihr solche Krisentage (auf Reisen)? Geht es euch manchmal so wie mir…?

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9 Comments

  1. Wie recht du hast! Das ist eben Reisen, nicht das was man unter Entspannungsurlaub nennt. Dazu gehören Entdeckungen und Abenteuer, aber eben auch mal ein Ausraster oder sogar ein paar Tränchen. Aber wie sagt man so schön, wo Sonne ist gibt’s eben auch Schatten – also Kopf hoch und immer nach vorn schauen 🙂

    Ganz liebe Grüße!

    Thu

    http://www.no-luggage.de

  2. hey jessica!
    toller post! und so so wahr, bin nun seit über einem jahr am reisen und deine worte sprechen mir aus der seele. vor dem kauf einer yogamatte stand ich auch schon, habe mich dann aber entschieden, mit dem sport wieder anzufangen wenn ich zuhause bin 😂
    die gedanken über wie man sich verändert und was man aus sich machen möchte aber irgendwie sich doch nix tut, kenne ich. ich versuche einfach relaxter zu sein und nicht so viel über mich nachzudenken aber das funktioniert auch nicht.

    ich habe mal einen tollen spruch gefunden:
    maybe the journey isn’t so much about becoming anything. maybe it’s about unbecoming everything that isn’t really you, so you can be who you were meant to be in the first place!

    viel spass beim drüber nachdenken 😜☺️

  3. Du Liebe! Ich glaube dass gehört einfach dazu. Diese Gedanken Zweifel Traurigkeit…..Ich glaube du darfst sie einfach annehmen als Sorgenden liebevollen Teil von dir…..Ist wie bei einem Rad….Stell dir vor wie wichtig jedes kleine Stück ist, damit es vom Fleck kommt. Wenn da ein Stück fehlen würde, bliebe es stecken. Je annehmender durch diese „Teile“ des Rades gehst um so leichter wird es dir fallen. Mit und mit. Ich wünsche dir Mut und Kraft!
    Herzliche Grüße Moni

  4. Manuela Ocello Reply

    Liebe Je,
    ich denke, das zurerst eine starke Eigenliebe da sein muß und damit meine ich nicht den Egoismus :-). Die Eigenliebe gibt Dir Kraft, Energie, Selbstbewusssein und Stärke. Darauf kannst Du aufbauen und sie dann weitergeben. Es geht nicht darum, die Welt zu retten! Das schafft sicherlich niemand von uns und nicht jeder Mensch ist ein Pionier oder engagierter Aktivist. Es sind doch oft die kleinen Dinge, womit Du schon etwas bewirken und verändern kannst. Veränderung braucht seine Zeit! Nimm Sie Dir! HDGDL – Mama

    • Danke Mama, du sprichst weise Worte :-*

      Ich merke, dass all diese Höhen und Tiefen mit der Zeit kommen und auch wenn ich die „Tiefen“ nicht immer mag, so bin ich trotzdem dankbar dafür, weil ich denke, dass sie mich einfach weiter bringen und mir wichtige Erkenntnisse vor Augen führen.

      Ich habe dich auch sehr lieb <3

      Jessi

  5. Tausende Kilometer weit weg von zu Haus und doch ganz nah. Klasse Beitrag zu den Dingen, die auch ich manchmal denke und die einen beschäftigen, wenn das „Ich“ mal wieder gehört und gesehen werden will (muss).

    Es sind genau diese Dinge und Gedanken, die uns immer wieder erden und uns zu uns selbst zurück führen. Auch wenn solche Tage (Phasen) echt anstrengend sein können, möchte ich sie nicht missen, weil ich auch deswegen danach bzw. dazwischen immer aufrecht und mit einem glücklichen Gefühl denke: „Ich bin toll, so wie ich bin und es geht mir gut“.

    Das tue ich jetzt gerade wieder, nachdem ich mit einem Kaffee und dem Sonnenaufgang über dem wunderschönen Köln, deinen Artikel gelesen habe und habe dank Dir ein Lächeln im Gesicht.

    Danke dafür und für Deine Gedanken. Big hug und bleib wie Du bist.
    Lg,
    Matthias

    • Jessica Reply

      Ach Matthias, danke für deine positiven Worte!

      Du hast absolut recht, solche Tage erden einen häufig. Zuerst aber wühlen sie mich manchmal so weit auf, dass ich ein wenig strauchel und dann aber wieder Fuß fasse 😉

      Ich freue mich jedenfalls, dass der Artikel dich zum Lächeln bringt und du es dir mit Kaffee in Köln gut gehen lässt!

      Fühl dich ebenfalls umarmt, lass es dir weiterhin gut gehen!

      Jessica

  6. Toller Beitrag, meine Liebe. Und ich lasse dich gerne wissen: du bist nicht allein. Neben dir gibt es unzählige andere Weltenbummler, denen es genauso ergeht und die nicht aus ihrem Schlamassel können.
    Aber vertrau mir, wenn ich dir sage, dass es irgendwann einmal knallt! Und dann weißt du, wie, wieso, weshalb, warum du gehandelt hast, wie du gehandelt hast. Ob es dir dann damit besser geht, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber, dass du dann etwas hast, womit es sich arbeiten lässt. Womit du arbeiten kannst.

    Halt die Ohren steif!

    • Jessica Reply

      Vielen Dank für deine lieben Worte, Natalie!

      Du hast absolut recht. Manchmal knallt es echt und daraus entsteht etwas Neues. Der Weg ist zwar nicht immer leicht, aber es lohnt sich, darauf vertraue ich!

      Lass es dir gut gehen und wir sehen uns sicher dann in Kölle 🙂

      Jessica

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